BDZ aktuell

Weitere Zeitverzögerung und Kostenexplosion beim Digitalfunk

Medienberichten zufolge wird sich die auch beim Zoll geplante Einführung des Digitalfunks weiter erheblich verzögern. Darüber hinaus hat das zuständige Bundesinnenministerium ein „immenses Kostenrisiko“ eingeräumt. Der BDZ, der wiederholt auf eine zügige Umsetzung gedrängt hatte, reagierte mit Unverständnis.
 
Ursprünglich sollte der Digitalfunk zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 starten. Dann wurde das Jahr 2010 ins Auge gefasst. Nun peilt der Bund den bundesweiten Netzaufbau für 2012 an. Experten gehen aber von einem Start frühestens im Jahr 2014 aus, also zwei Jahrzehnte nach dem ersten Beschluss der Innenministerkonferenz zum Digitalfunk.
 
Die Gesamtkosten, die anfangs mit einem einstelligen Milliardenbetrag veranschlagt worden waren, geraten immer weiter außer Kontrolle. Allein der Bund muss gegenüber früheren Ansätzen eine Steigerung von derzeit gut 40 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro verkraften. Laut Haushaltsexperten belaufen sich die Kosten auf insgesamt rund zehn Milliarden Euro.
 
Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat bereits 488 Millionen Euro für das Milliardenprojekt gesperrt. Ausschussmitglieder verlangen ein strenges Kostencontrolling mit einem Frühwarnsystem. Kritisiert wird, dass der Interimsbetreiber beim Digitalfunk, der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, teurer sei als der ausgewählte Endbetreiber Alcatel-Lucent.
 
Auf dringende Empfehlung des bereits alarmierten Bundesrechnungshofs will Bundesinnenminister Thomas de Maizière einen externen Finanzcontroller bei der Bundesanstalt für den Digitalfunk einsetzen. Die Stelle muss jedoch erst ausgeschrieben werden.
 
Das umstrittene Thema wird in Kürze den Innenausschuss beschäftigten. Ausschussvorsitzender Wolfgang Bosbach (CDU) forderte den Bund auf, gemeinsam mit den Ländern und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben eine finanzielle, organisatorische und technische Bestandsaufnahme vorzunehmen.
 
Da in den vorhandenen Analogfunk mit Blick auf die seit langem erwartete Einführung des Digitalfunks kaum noch investiert wird, wird bereits die Befürchtung geäußert, am Ende verfügten die beteiligten Behörden weder über einen tauglichen Analogfunk noch über einen funktionierenden Digitalfunk.

Diese Sorge teilt der BDZ, der immer wieder darauf hingewiesen hatte, dass die veralteten Funkgeräte auch beim Zoll in bestimmten Einsatzsituationen die Arbeitsfähigkeit gefährden. Die Beschäftigten, die in dieser Frage erheblich verunsichert seien, erwarteten zu Recht, dass nicht auf Kosten der Sicherheit gespart werde und endlich ein verbindlicher Zeitplan vorgelegt werde, fordert der BDZ.

 

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